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Presse

Zeigen, wie's geht: David Smyrek hat sich den Gürtel mit dem angeketteten Autoreifen umgeschnallt und setzt zum Sprint an. Die Teilnehmer des "Bootcamps" schätzen an seinem Angebot neben den festen Terminen vor allem das Trainieren in der Gruppe. | © Marten SiegmannZeigen, wie's geht: David Smyrek hat sich den Gürtel mit dem angeketteten Autoreifen umgeschnallt und setzt zum Sprint an. Die Teilnehmer des "Bootcamps" schätzen an seinem Angebot neben den festen Terminen vor allem das Trainieren in der Gruppe. | © Marten Siegmann

Artikel vom 16.04.2016 / Neue Westfälische

Fitnesstrend Bootcamp in Schloß Holte-Stukenbrock

Training: Mit steigenden Temperaturen zieht es Sportler in SHS an die frische Luft. Trainer David Smyrek hat sich ein besonderes Konzept ausgedacht, das selbst bei Fitnessstudio-Betreibern Anklang findet

Schloß Holte-Stukenbrock. Der Ton ist rau. Und soviel vorab: "Die Hände werden heut? ein bisschen dreckig", sagt David Smyrek. Dann geht es los. An 13 Stationen wird trainiert - alle 30 Sekunden durchgewechselt. Smyrek nimmt die Zeit, feuert an, ermahnt. Einige Teilnehmer fluchen leise vor sich hin.

Es ist eine Art modernes Zirkeltraining, das Gesundheitsmanager David Smyrek seinen Teilnehmern anbietet. Und Drill gehört dazu: "Man nennt es 'Bootcamp'", sagt Smyrek. Ein Begriff, der eigentlich aus den USA stammt. Er bezeichnet sowohl jene Lager für die militärische Grundausbildung der Armee als auch Einrichtungen zur Umerziehung straffällig gewordener Jugendlicher.

Smyreks Teilnehmer sind weder bei der Armee, noch straffällig geworden - es geht ausschließlich um Sport. Anschreien lassen sie sich trotzdem: "Das war zu früh aufgehört - drei Sekunden hast du verschenkt", sagt der Trainer zu einem der Trainierenden, kurz bevor der nächste Stationswechsel ansteht.

Nach der Aufwärmphase heben die Teilnehmer Gewichte, machen Liegestütze, schwingen Seile. Einfache Übungen stehen im Mittelpunkt des Trainings. Sich wieder auf die Grundlagen zu konzentrieren, liegt im Trend. Das beobachtet auch Arnold Ackermann vom Fitnessstudio Vip-Sport: "Drücken, Ziehen, Beugen - da trainiert man alle Muskeln mit", sagt er. Und den Trend zum Training unter freiem Himmel kenne er aus den USA. "Dort gibt es spezielle Outdoor-Center", sagt er. "Das macht richtig Laune."

Eine Konkurrenz zu seinem Studio sieht er im Freiluft-Angebot nicht. Im Gegenteil: "Eine tolle Idee", sagt er. Denn wer draußen trainieren will, tue das sowieso - ob mit oder ohne Anleitung. Motivation und dauerhafte Begeisterung für den Sport könne hingegen nur ein professioneller Trainer vermitteln. Und eben davon profitierten auch die Studios, sagt Ackermann: "Das ist keine Konkurrenz, sondern eher befruchtend. Wenn der Kursus im Sommer vorbei ist, kommen im Winter umso mehr Leute zu uns."

Während der Trainingsphase an den Sammelteichen läuft Smyrek von Station zu Station - die Stoppuhr und den Einsatz seiner Teilnehmer immer im Blick. "Ich selbst mag es auch, beim Training angetrieben zu werden", sagt er. So geht es auch Tanja Wesskamp und Janina Weiser. "Man wird motiviert", sagt Wesskamp. Ins Fitnessstudio gehe sie zwar auch, dennoch habe das Bootcamp Vorzüge: "Es ist draußen, mal was anderes", sagt sie. "Und ich habe überhaupt keinen Spaß daran, alleine zu trainieren - hier machen alle gemeinsam mit." Ähnliche Gründe hat auch Teilnehmerin Janina Weiser: "Die festen Termine helfen beim Überwinden des inneren Schweinehunds", sagt sie. "Man ist ja doch faul." Und eigentlich treibe sie keinen Sport.

Eine Stunde lang dauert die Trainingseinheit - und gegen Ende legt Smyrek noch einmal nach. "Jetzt noch mal 45 Sekunden", ruft er. Ein Raunen geht durch die Gruppe. Dann ist Schluss. Auslaufen, dehnen, Entspannungsphase, Ende. "Tief ein- und ausatmen", sagt Smyrek. "Gut kaputt" fühle sie sich jetzt, sagt Tanja Wesskamp. "Auch wenn es sich jetzt nach dem Auslaufen schon wieder relativiert hat."

Trainiert wird bei jedem Wetter. Und stets im Grünen - bis auf einen Termin: Abschluss des Kursusprogramm ist ein Besuch auf dem Schrottplatz. Schrottautos zertrümmern steht dann auf dem Programm. Der sportliche Nutzen? In diesem Fall zweitrangig. "Eher für den Geist als für den Körper", sagt Smyrek.

Information

Straffer Takt

Das sogenannte Hochintensive Intervalltraining (HIIT-Training) ist besonders effizient – das haben mehrere Studien belegt.
Mit wenigen Minuten Intervalltraining pro Tag können die selben Ergebnisse erzielt werden, wie mit einem eineinhalb bis zweistündigen Ausdauertraining.
Während der einzelnen Übungen sollte der Körper bis an die Leistungsgrenze getrieben werden.

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